Bauchgefühl
Serie 0
Nr. 032000KalifornienEin Supermarkt

Der Marmeladenstand

In einem Supermarkt wurde ein Probierstand für Marmelade aufgebaut. Zu manchen Zeiten standen dort 24 Sorten, zu anderen nur 6.

Wer am Stand anhielt, bekam einen Rabattgutschein. Dann zählten die Forscher, wie viele tatsächlich ein Glas kauften.

Zuerst du

Du stehst vor 24 Sorten. Was machst du?

Diese Antwort ist hypothetisch; sie ist nicht dasselbe wie dein Verhalten in einem echten Labor.

Welcher Stand brachte mehr Verkäufe?

Ursprüngliches Ergebnis

Die 24 Sorten zogen mehr Aufmerksamkeit an: Etwa 60 % der Vorbeigehenden blieben stehen, bei 6 Sorten waren es 40 %. Beim Kauf drehte sich das Bild aber um: Am Stand mit 24 Sorten kauften nur 3 % Marmelade, am Stand mit 6 Sorten etwa 30 %.

Was wir heute wissen

Dieses Experiment machte die „Auswahlüberlastung“ weltweit bekannt. Eine Metaanalyse von 2010, die Dutzende Studien zusammenfasste, fand jedoch einen durchschnittlichen Effekt nahe null. Viele Optionen lähmen Menschen manchmal, manchmal nicht; der Effekt zeigt sich offenbar, wenn die Entscheidung schwer ist, die Optionen komplex sind oder die Zeit knapp ist.

Das Überraschende

Eines der meistzitierten Marketing-Experimente der Welt gilt offenbar nur unter bestimmten Bedingungen.

Quellen

  1. Iyengar, S. S., & Lepper, M. R. (2000). When choice is demotivating. Journal of Personality and Social Psychology, 79(6), 995–1006. doi.org/10.1037/0022-3514.79.6.995
  2. Scheibehenne, B., Greifeneder, R., & Todd, P. M. (2010). Can there ever be too many options? Journal of Consumer Research, 37(3), 409–425. doi.org/10.1086/651235

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