Bauchgefühl
Serie 0
Nr. 021951–56USAStudierende

Wenn alle sich irren

Eine Gruppe Studierender saß für einen „Sehtest“ an einem Tisch. In jeder Runde wurde eine Linie gezeigt, dann sollten sie sagen, welche von drei anderen Linien gleich lang war. Die Antwort war eindeutig.

Doch alle am Tisch bis auf eine Person waren mit dem Versuchsleiter abgesprochen. In manchen Runden gaben sie nacheinander laut dieselbe falsche Antwort. Der echte Teilnehmer saß so, dass er fast als Letzter an der Reihe war.

Zuerst du

Alle vor dir haben „A“ gesagt. Was sagst du?

Diese Antwort ist hypothetisch; sie ist nicht dasselbe wie dein Verhalten in einem echten Labor.

Wie viel Prozent der Teilnehmer schlossen sich mindestens einmal der Gruppe an und gaben die offensichtlich falsche Antwort?

Ursprüngliches Ergebnis

Etwa 75 % der Teilnehmer schlossen sich mindestens einmal der Gruppe an. Rund ein Drittel der Antworten in den kritischen Runden (etwa 37 %) war falsch. Ohne Gruppendruck lag die Fehlerquote unter 1 %. Etwa ein Viertel der Teilnehmer passte sich nie an.

Was wir heute wissen

Eine Metaanalyse von 1996 mit 133 Studien aus 17 Ländern zeigte: Der Effekt lässt sich wiederholen, aber seine Stärke schwankt. In den USA ist die Konformität seit den 1950er-Jahren gesunken, und in kollektivistischen Kulturen ist sie höher als in individualistischen.

Das Überraschende

Eine einzige Person mit der richtigen Antwort genügte: Mit einem solchen „Verbündeten“ am Tisch sank die Konformität von etwa 37 % auf etwa 5 %.

Quellen

  1. Asch, S. E. (1956). Studies of independence and conformity. Psychological Monographs, 70(9), 1–70. doi.org/10.1037/h0093718
  2. Bond, R., & Smith, P. B. (1996). Culture and conformity: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 119(1), 111–137. doi.org/10.1037/0033-2909.119.1.111

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